Reiseberichte - THAILAND

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Buddhistische Reise durch den Norden von Thailand

In Indien war ich schon öfters, ein Land, das mich fasziniert. Auf der Suche nach dem wahren Buddhismus sollte man jedoch nach Thailand gehen. 95% der Thais sind Anhänger des Theravada-Buddhismus, der ältesten aller buddhistischen Glaubensrichtungen.
Im März 2001 flog ich von Graz über Zürich nach Bangkok. Morgens um sechs Uhr landete die Maschine auf dem Flughafen, ein Taxi brachte mich

ins Hotel und vor mir lagen zwei Wochen Urlaub.
Im Jahre 1782 wurde Bang Makok (Olivendorf) das heutige Bangkok, zur Hauptstadt ausgerufen, früher war es Ayutthaya. Bangkok ist eine faszinierende Stadt, obwohl die neun Millionen Stadt unter einem hoffnungslosem Verkehrschaos leidet, aber im Gegensatz zu Indien wird hier nicht gehupt und jeder lässt dem anderen die Vorfahrt.
Im Hotel erwartete mich eine Nachricht, um 10 Uhr geht es zu einer Stadtrundfahrt mit Besichtigung.
Die Besichtigung begann bei tropischer Hitze mit dem goldenen Buddha im Wat Trimeter, dann weiter in die bekannteste Tempelanlage Wat Phra Kaeo, die im Jahre 1782 gegründet wurde. Ein prächtiger Anblick ist das königliche Pantheon mit seinen über und über mit Fayencen und Skulpturen geschmückten Außenfassade. Die grimmigen Wächterfiguren symbolisieren legendäre Riesen. Im goldenen Chedi (Pagode) befindet sich der geheimnisumwobene Smaragdbuddha, dem heiligsten Idol des Thaireiches. Leider ist hier, wie in den meisten Klöstern, fotografieren strengstens verboten.
Für diesen Tag hatte ich genug gesehen, ich war völlig erschöpft, es war sehr heiß und zwischen den Tempelwänden herrschte das reinste Saunaklima.
Am nächsten Morgen ging ich zu dem größten und ältesten Tempel Bangkoks, dem Wat Pho, hier sieht man u.a. 400 Buddhastatuen. Die Hauptattraktion aber ist eine 46 m lange vergoldete Statue die den Eingang des Buddhas ins Nirvana symbolisiert. 108 Perlmuttornamente an den Fußsohlen belehren über die Eigenschaften des Buddhas. Dieses Kloster ist Zentrum einer landesweiten Bewegung für Lehre und Erhaltung traditioneller Thai - Meditation.
Informationen über Meditation in Thailand erhält man unter: World Fellowship of Buddhists, Bangkok Telefon: 02/251 1188.

Interessant fand ich, dass man sich in einem Nebengebäude des Klosters massieren lassen kann, es werden auch Massage Kurse in Englisch abgehalten.
Goldplättchen als Opfergabe auf Buddhastatuen gerieben ist sehr beliebt bei den Thais und so sieht ein Buddha aus, der über und über mit Goldplättchen bedeckt ist. Natürlich sollte man auch dem bekannten Talaad Pak Khlong Markt, einem wundervollen Großmarkt für Blumen, Obst und Gemüse, einen Besuch abstatten.

Am Abend fuhr ich auf einer geschmackvoll restaurierten Dschunke durch die Khlongs. Man sitzt überdacht und genießt neben dem Menü den Blick über den Fluss, es ist romantisch und stimmungsvoll zugleich.
Am nächsten Tag Aufbruch in Richtung Norden. Zuerst nach Bang Pa In, den Sommersitz der thailändischen Königsfamilie. Dann ging es weiter zur ehemaligen Hauptstadt aus Siams "goldenen Zeiten", Ayutthaya, 90 km von Bangkok entfernt.
Die drei großen Chedis (Pagoden), gebaut um 1550, gehörten einst zum wichtigsten Tempel in der alten Hauptstadt. Ayutthaya war damals eine Millionenstadt und umfasste u.a. 375 Tempelanlagen, 3 Paläste, 29 Forts, 94 Stadttore und war damit größer als jede Stadt in Europa. Die Tempelanlage Wat Phra Mahathat erstreckt sich über drei Quadratkilometer, deshalb ist die Benutzung der trafobetriebene Bahn empfehlenswert. Stolz auf Ayutthaya sind ganz besonders die Thais selbst, für sie gilt diese Stadt als Inbegriff der glorreichen nationalen Vergangenheit. Bei dem in der Nähe liegende Klosterkomplex Wat Ratchaburana kann man im Schatten der uralten Banyanbaumriesen besonders wirkungsvoll meditieren. Hier wird den Schulkindern nicht nur die Geschichte des Landes beigebracht, sondern man vermittelt ihnen auch wichtige Lehren fürs Leben. Die Bäume, die über tausend Jahre alt sind, werden symbolisch von Stöcken gestützt. Dies, so erklärt man den Kindern, ist wichtig, auch alte Menschen müssen gestützt werden.
Wat Phanan Choeng diesen Tempel gab es möglicherweise schon vor der Gründung Ayutthaya. Hier sieht man eine 20 Meter hohe Buddha-Statue Phra Chao Phanachoeng.
Der Tag neigte sich dem Ende zu, ich war müde und hungrig, hatte wieder viel gesehen und erlebt und freute ich mich auf den nächsten Tag.

Weiter ging die Fahrt nach Lopburi - auch als heißeste Stadt Thailands bekannt. Dort steht in der Stadtmitte der berühmte Affentempel, vor einigen Jahren fand hier eine "Vermählung" statt zwischen dem Affen Mike und dem Affenweibchen Susu, beide waren in Gold gekleidet und mit Jasmingirlanden behängt.
Es kam vor, dass ich morgens früh vor verschlossener Klostertür stand, auch hier geht man mit der Zeit, so manches Kloster öffnet erst um 9 Uhr.
Mein Etappenziel an diesem Tag war Phitsanuloke, ein belebtes Handelszentrum am Nan-Fluss. Sehenswert ist der Wat Mahathat mit dem Chinnaraj-Buddha, der größten sitzenden Buddhastatute des Landes.

Essen kann man sehr gut und preiswert am Straßenrand in den so genannten Garküchen. Dort kochen Hausfrauen aus frischen Zutaten köstliche Kleinigkeiten. Jeder Stand bietet nur wenige Gerichte an, oft sogar nur ein einziges.
Nach einer Fahrt von 60 km am nächsten Tag erreichte ich die erste Hauptstadt des Thai-Königsreichs, gegründet im 13/14.Jh., Sukhothai. Aus diesem Zeitalter stammen die Tempelanlagen des Wat Sra Sri, des Wat Si Chum und des Wat Mahathat; dieser gilt als magisches und spirituelles Zentrum des alten Reiches. Die vier Tempeltürme wurden von den Khmer erbaut, die vor den Thais hier lebten. Westlich der alten Stadt stößt man auf Überreste des Königstempels mit einem 14 m hohen sitzenden Buddha.
Unterwegs nach Lampang gab es einen interessanten Fotostopp und zwar stehen auf der Passhöhe Hunderte von Geisterhäusern. Hier haben Bus- und Linienfahrer, aber auch viele andere Autofahrer ihre Häuschen stehen. Immer, wenn sie diese Stelle passieren, hupen sie, um ihre Verehrung für die Geister auszudrücken.
Jeder Thai hat so ein Geisterhaus zu Hause, damit
die bösen Geister, vor allem der Erdgeist Phii Ruan, dem man ein Stück Land zum Bau des Hauses weggenommen hat, sich vom richtigen Haus fernhalten soll.
Man legt Opfergaben in das Geisterhaus, etwas Reis, Früchte, Blumen und Räucherstäbchen. Die Allgegenwärtigkeit von Geistern im thailändischen Alltag ist unübersehbar, davon zeugen Amulette, magische Tätowierungen und glücksbringende Wollfäden am Handgelenk.
Der Fahrer meines gemieteten Taxis, ein VW Bus, machte auch Halt auf der Passhöhe und brachte den Geistern Geschenke. Ich selbst nahm die ganze Angelegenheit nicht allzu ernst, obwohl ich mich hier in Graz seit langem ausgiebig mit Geistern und Wesen beschäftige. Mein nächstes Ziel war ein typisches Bergdorf - hier wohnen die Mien - sie sind bekannt u.a. für ihre Stickereien. Am Anfang meisterte der Bus noch ganz gut die schlecht zu befahrende Strasse, da aber Regenzeit war, es also öfters und heftiger regnete als sonst, blieb der Bus plötzlich im Schlamm stecken. Mit der Bequemlichkeit war es vorbei, wenn ich in das Dorf wollte, stand mir ein Mini-Trecking bevor. Es ging steil bergauf, es war drückend heiß und schwül, ich watete durch tiefen Schlamm und mir wurde klar, ich hätte doch die Geister mit einer Opfergabe erfreuen sollen. Endlich erreichte ich das Dorf, hier wurde ich überaus freundlich empfangen. Man zeigte mir Kindergarten und Schule, die Frauen präsentierten ihre ganz besonders schönen Stickarbeiten und eine alte Frau bot mir ihre Opiumpfeife an, die ich dankend ablehnte.

In Lampang steht der Tempel Lampang Luang mit seinem hochverehrten Smaragdbuddha, den man sich auf jeden Fall ansehen. sollte, leider war mal wieder "fotografieren verboten".
Viele Klöster unterhalten eigene Meditationsschulen, denn dies ist eine der wichtigsten Aufgaben auf dem Weg ins Nirwana.

Jeder Thai, ob Laie oder Mönch, versucht, sein Karma zu verbessern und in seinem jetzigen Leben Gutes zu tun. Fast alle männlichen Thais gehen zumindest einmal im Leben für drei Monate in ein Kloster.

Großteils habe ich in Hotels geschlafen, aber manchmal durfte ich auch in einem Kloster übernachten, um einen Einblick in das Alltagsleben der buddhistischen Mönche zu bekommen. Als Frau ist das nicht immer einfach, in einem der Kloster ist man gerngesehen und wird willkommen geheißen und in einem anderen Kloster muss man als Frau abseits knien.
In fast jedem Kloster bekommt man ein Armband aus Baumwolle um das Handgelenk gebunden, das bringt Glück und Gesundheit. Leider wird auch schon im Kloster gespart und statt eines Bandes aus Baumwolle, gibt es immer öfters ein Band aus Plastik. Das Leben der Mönche ist sehr spartanisch, nur Vormittags von Sonnenaufgang bis 12 Uhr darf gegessen werden, danach nehmen sie nur noch Wasser oder Tee zu sich. Zigaretten sind erlaubt, aber keine Rauschmittel oder Alkohol und natürlich keine Beziehung zu einer Frau.  

Die Mönche dürfen nur wenige Dinge besitzen, so das safranfarbene Tuch, eine Opferschale und das Rasierzeug. Am Vormittag besuchen sie ausgewählte Familien, die für sie kochen und ihnen dann Speisen mitgeben. Die Schenkenden bedanken sich für die Annahme der Opfergaben. Mönche genießen ein sehr hohes Ansehen in Thailand.

Auf meiner Reise durch Nord-Thailand habe ich natürlich nicht nur Klöster besichtigt. So war ich u.a. in einer Reisfabrik, in einer sehr großen Champion-Züchterei und natürlich auch auf einer Teeplantage.
Nächstes Ziel war Chiang Rai, nach einer kurzen Stadtbesichtigung ging es zu den vier wichtigsten Tempeln.

Dem Goldenen Dreieck kam ich immer näher, das ist die geheimnisumwitterte Region am Zusammenstoß von Thailand, Myanmar - früher Burma und Laos.
In Mae Sai, einer kleinen Handelsstadt an der Grenze zu Myanmar trifft man burmesische Händler, die in dieser Stadt ihre Ware anbieten. Als ich in Mae Sai war gab es einen kleinen Grenzzwischenfall, etliche Panzer und Armeefahrzeuge patrouillierten durch die Stadt. Mich störte das weniger, ich fuhr runter zum Mekong Fluss und machte dort eine längere Bootsfahrt.

Nach einer Woche durch die Klöster hatte ich schon so viele Buddhas gesehen:
In Meditation sitzend, im Sterben (ins Nirvana übergehend) liegend, stehend und, was ganz selten ist: schreitend.
Ich wollte nun mal etwas anderes sehen und fuhr zu einem Elefanten-Camp nach Chian Dao. Dort machte ich einen Ritt durch den Dschungel, sah den Elefanten beim Baden und beim Arbeiten zu. Dann gab es eine Vorstellung und zum Schluss spielten mehrere Elefanten Mundharmonika, natürlich völlig falsch.
Weiter südlich bei Mae Rim ist eine Orchideenfarm und ich erfreute mich an der herrlich bunten Vielfalt dieser Blüten. Die Farm bot auch Siamkatzen an und für mich etwas noch nie gesehenes: Siamhunde. Das Fell dieser Hunde ist silbergrau und sie haben strahlend schöne, bernsteinfarbene Augen.
Langsam ging der Urlaub zu Ende, es standen nur noch zwei Besichtigungen an, ein Besuch in der bekannten Stadt Chiang Mai und der Besuch des Bergklosters Doi Suthep auf 1056 m Höhe.
Chiang Mai - die Perle oder Rose des Nordens - ist Thailands zweitgrößte
Stadt mit 170 000 Einwohnern und das kulturelle Zentrum des Nordens. Die Stadt ist ein wichtiges Zentrum des Kunsthandwerks. Lokale Manufakturen geben einen Einblick über die Vielfalt diverser Handwerkstechniken wie Lackmalerei, Seidenspinnerei, Holzschnitzerei, Silberschmuck sowie die Erzeugung und die Entstehung der berühmten handbemalten Schirme. Ich war in einem Schmuckgeschäft, das war so riesengroß, dass man bequem darin mit dem Fahrrad fahren konnte. Es gab viele große Theken, in einer lagen nur Smaragde verarbeitet zu Ringen, Ohrstecker, Armbänder etc., in der nächsten nur Rubine, in der nächsten nur Brillianten, immer so weiter. So etwas hatte ich noch nie gesehen.
Am Abend besuchte ich den bekannten Nachtmarkt mit seiner besonderen Atmosphäre. Hier gibt es alles, aber wirklich auch alles zu kaufen.

Am nächsten Tag machte ich mich auf zu dem Höhepunkt meiner Reise dem Bergkloster Wat Phra That Doi Suthep. Der 1600m hohe Berg, nur 16 km nordwestlich von Chiang Mai, erlaubt fast bei jedem Wetter einen Blick aus der Vogelperspektive über die Stadt. Knapp unter dem Gipfel liegt Nordthailands berühmtester Tempel. Man erzählt, dass ein heiliger weißer Elefant die Stelle ausgesucht habe, an der 1383 von König Gue Na der Tempel gegründet wurde.
Die wunderschöne Tempelanlage erreicht man über eine Treppe mit 290 Stufen, an beiden Seiten begrenzt von einer Balustrade in Form einer riesigen siebenköpfigen Naga-Schlange.
Das Kloster ist auf zwei Ebenen gebaut, auf der unteren gibt es verschiedene Tempel, einen so genannten "Parkplatz" für Schuhe und Rucksäcke und ein Restaurant. Die zweite, etwas höher gelegene Ebene darf man nicht mit Schuhen betreten. Oben angekommen läuten Gläubige gerne die aufgehängten Glocken. Im goldenen Chedi bewahrt man ein heiliges Relikt Buddhas auf.

Thailand gehört zu den wenigen Ländern, die niemals kolonisiert oder besetzt wurden. Dieser Umstand zeigt bis zum heutigen Tage angenehm spürbare Folgen: es ist das "Land der Freien". Thais begegnen fremden Besuchern immer respektvoll und in lockerer Souveränität. Die uralte buddhistische Tradition ist bis heute erhalten, beinahe an jeder Straßenecke spürt man etwas geheimnisvolles, exotisches. In den Tempeln thronen magische Buddhas, das ganze Jahr über werden rauschende Feste gefeiert und jeder Provinzmarkt lockt mit einer verführerischen Farbenpracht, von den nebeligen Bergen des Goldenen Dreiecks bis hin zu dem brodelnden Hexenkessel Bangkoks.

Von Chiang Mai flog ich über Bangkok nach Phuket. In einer herrlich einsamen Bucht, am Rande des Naturschutzgebietes Nai Yang liegt das sehr empfehlenswerte Hotel Pearl Village.
Ich brauchte noch ein paar Tage, um das "Gesehene und Erlebte" zu verarbeiten und um endlich mal wieder in den herrlich blauen Fluten des Meeres zu tauchen.

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